Annika und Anja lernen in dieser Folge, dass man die Vergangenheit niemals unterschätzen sollte. Man kann sie verdrängen, therapieren und sie in nudefarbene Lounge-Sets kleiden, aber irgendwann steht sie doch wieder in der Bachelor-Villa und heißt Franzi. Die Neuzugängerin bringt nämlich nicht nur neue Energie in die Gruppe, sondern auch die kulturhistorisch etwas ermüdete Auffassung, dass Frauen, sobald ein Mann in Sichtweite steht, automatisch zu einer schlecht gelaunten Greifvogelkolonie mutieren müssten. Vor allem im Reality-TV.
Franzi zeigt sich entsprechend irritiert darüber, dass die anderen Kandidatinnen sich bislang nicht gegenseitig mit zerborstenen Prosecco-Flaschen bedrohen, sondern einigermaßen friedlich miteinander umgehen. Die übrigen Frauen wiederum reagieren auf Franzi, als sei ihnen ein lebendes Artefakt aus der Frühzeit des Privatfernsehens zugelaufen: Die Bewertung „bitchy“ fällt, „billig“ auch, und plötzlich öffnet sich unter der Villa eine kleine Falltür in die Ära, in der „Ich bin nicht wie die anderen Frauen“ noch als Charakterzeichnung durchging. Annika und Anja müssen also zusehen, wie das Format vorsichtig an den Kandidatinnen schabt, bis unter moderner Schwesterlichkeit wieder die alte RTL-Trash-Grundierung hervorschimmert: interne Misogynie, leicht antrocknend, bitte nicht mit Wasser verdünnen.
Währenddessen darf Tim beweisen, dass Nähe nicht nur bei Kerzenschein, sondern auch bei sehr hoher Geschwindigkeit und drohendem Halswirbelverschleiß entstehen kann. Die Botschaft ist klar: Wenn ein Gespräch nicht trägt, muss eben die Fliehkraft ran.Bei Sebastian wiederum liegt am Ende der erste Kuss in der Luft, oder zumindest atmosphärische Mundnähe mit -Potenzial. Früher wäre nun zuverlässig erst Vollzug und dann die Nacht der Rosen gekommen, dieser letzte Rest liturgischer Würde im Liebesgewerbe. Inzwischen aber ist das Bachelor-Zeitgefüge offenbar komplett verflüssigt: Rosenvergaben erscheinen wie wandernde Warzen, Dates enden mitten im Satz, und irgendwo sitzt vermutlich ein Cutter vor der Timeline und flüstert: „Chronologie ist auch nur ein Vorschlag.“
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