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Nur eine Frage

DIE ZEIT
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  • Nur eine Frage

    Does the World Need Borders, Kwame Anthony Appiah?

    12-08-2026 | 1 u. 11 Min.
    Der Philosoph Kwame Anthony Appiah erklärt, was Grenzen genau schützen, warum sie ethische Regeln brauchen und wie ihre Zukunft aussehen könnte. 

    Im ZEIT-Podcast »Nur eine Frage« stellt ZEIT-Chefredakteur Jochen Wegner einfache, aber grundlegende Fragen, die viele von uns umtreiben, auf die eine klare Antwort jedoch schwer zu finden ist. Wir befragen die bestmögliche Expertin, den bestmöglichen Experten, den wir für das jeweilige Thema finden können. 

    In dieser Folge von »Nur eine Frage« stellen wir Kwame Anthony Appiah die Frage: »Braucht die Welt Grenzen?« Aufgezeichnet wurde das Gespräch nur drei Tage, nachdem rund 60.000 Menschen an einem einzigen Tag von Marokko in die spanische Enklave Ceuta migriert waren. Ein Rekord, der Europa einmal mehr vor die Frage stellte, wofür seine Grenzen eigentlich da sind. 

    Kwame Anthony Appiah ist einer der einflussreichsten Philosophen der Gegenwart. Geboren in London, aufgewachsen im ghanaischen Kumasi, ausgebildet in Cambridge, lehrt er heute Philosophie und Recht an der New York University. Als Sohn eines ghanaischen Vaters und einer britischen Mutter hat er sein ganzes Leben lang genau jene Grenzen überschritten, über die er nachdenkt – zwischen Nationen, Kulturen und Identitäten. Sein Buch Cosmopolitanism, prägte eine Denktradition, The Lies That Bind vor allem die Debatte über Identität. Appiah wurde von Barack Obama mit der National Humanities Medal ausgezeichnet, der höchsten Auszeichnung der USA im Bereich der Geisteswissenschaften. Er ist Präsident der American Academy of Arts and Letters und beantwortet in seiner Kolumne The Ethicist im New York Times Magazine seit mehr als zehn Jahren moralische Fragen des alltäglichen Lebens. 

    Im Podcast beantwortet Appiah die Frage mit einem Ja. »Wenn wir davon ausgehen, dass wir Staaten brauchen, einzelne Nationen, dann brauchen diese auch Grenzen. Staaten müssen nun mal regeln können, wer dazugehört und wer nicht.« 

    Appiah erklärt, warum er kein Fan eines »Superstaates« ist: Die Welt brauche Grenzen, nicht weil Abschottung gut wäre, sondern weil eigenständige Staaten ein Gegengewicht gegen die Konzentration von Macht bilden. Bei einem Weltstaat sei zwar Steuerflucht schwieriger, und manche internationalen Probleme ließen sich leichter lösen, aber wenn ein solcher Staat scheitern würde, gäbe es kaum eine oppositionelle Kraft, die ihn korrigieren könnte. Die Konzentration zu großer Macht an einem Ort berge immer die Gefahr ihres Missbrauchs, so Appiah. 

    Er führt aus, dass Grenzen außerdem dezentrale Entscheidungen ermöglichten. Ein Vorteil föderalistisch organisierter Staaten sei zum Beispiel, dass politische Experimente möglich seien. Als Beispiel nennt er die Gesundheitsreform in den USA, später als Obamacare bekannt geworden, die zuerst in Massachusetts getestet und daraufhin auf nationaler Ebene übernommen wurde. 

    Gleichzeitig bedeute die Notwendigkeit von Landesgrenzen nicht, dass diese schwer zu überwinden sein müssten oder keine Verantwortung gegenüber den Menschen außerhalb dieser Grenzen bestünde. »Staaten haben das Recht, ihre Grenzen zu kontrollieren. Aber dieses Recht hat ethische Grenzen«, sagt Appiah. 

    Er hofft auf eine Zukunft, in der Grenzen weniger angstbesetzte Orte sind und Menschen sich vor allem aus Neugier über sie hinwegbewegen. Appiah beantwortet die Frage, ob es in Zukunft mehr oder weniger Grenzen geben wird und wie diese aussehen könnten. Er spricht über Migration, Zugehörigkeit, gemeinsames Vergessen und Identität, auch seine eigene – und darüber, warum man seine Identität mit einer gewissen Lockerheit tragen sollte.  

    Redaktion: Sophie Hübner, Tobias Oellig
    Videoproduktion: Nele Vogel, Iona Young
    Visuelle Produktion: Michael Pfister
    Kamera, Schnitt & Ton: ifbbw
    Visual Director: Malin Schulz
    Photo Director: Tina Ahrens
    Design: Adele Ogiermann, Jan Lichte
    Animation: Axel Rudolph
    Musik: Konrad Peschmann
    Logo: Lea Dohle

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  • Nur eine Frage

    KI-Übersetzung: Braucht die Welt Grenzen, Kwame Anthony Appiah?

    12-08-2026 | 1 u. 5 Min.
    Der Philosoph Kwame Anthony Appiah erklärt, was Grenzen genau schützen, warum sie ethische Regeln brauchen und wie ihre Zukunft aussehen könnte. 

    Im ZEIT-Podcast »Nur eine Frage« stellt ZEIT-Chefredakteur Jochen Wegner einfache, aber grundlegende Fragen, die viele von uns umtreiben, auf die eine klare Antwort jedoch schwer zu finden ist. Wir befragen die bestmögliche Expertin, den bestmöglichen Experten, den wir für das jeweilige Thema finden können. Dies ist die KI-Übersetzung des englischen Originalgesprächs. 

    In dieser Folge von »Nur eine Frage« stellen wir Kwame Anthony Appiah die Frage: »Braucht die Welt Grenzen?« Aufgezeichnet wurde das Gespräch nur drei Tage, nachdem rund 60.000 Menschen an einem einzigen Tag von Marokko in die spanische Enklave Ceuta migriert waren. Ein Rekord, der Europa einmal mehr vor die Frage stellte, wofür seine Grenzen eigentlich da sind. 

    Kwame Anthony Appiah ist einer der einflussreichsten Philosophen der Gegenwart. Geboren in London, aufgewachsen im ghanaischen Kumasi, ausgebildet in Cambridge, lehrt er heute Philosophie und Recht an der New York University. Als Sohn eines ghanaischen Vaters und einer britischen Mutter hat er sein ganzes Leben lang genau jene Grenzen überschritten, über die er nachdenkt – zwischen Nationen, Kulturen und Identitäten. Sein Buch Cosmopolitanism, prägte eine Denktradition, The Lies That Bind vor allem die Debatte über Identität. Appiah wurde von Barack Obama mit der National Humanities Medal ausgezeichnet, der höchsten Auszeichnung der USA im Bereich der Geisteswissenschaften. Er ist Präsident der American Academy of Arts and Letters und beantwortet in seiner Kolumne The Ethicist im New York Times Magazine seit mehr als zehn Jahren moralische Fragen des alltäglichen Lebens. 

    Im Podcast beantwortet Appiah die Frage mit einem Ja. »Wenn wir davon ausgehen, dass wir Staaten brauchen, einzelne Nationen, dann brauchen diese auch Grenzen. Staaten müssen nun mal regeln können, wer dazugehört und wer nicht.« 

    Appiah erklärt, warum er kein Fan eines »Superstaates« ist: Die Welt brauche Grenzen, nicht weil Abschottung gut wäre, sondern weil eigenständige Staaten ein Gegengewicht gegen die Konzentration von Macht bilden. Bei einem Weltstaat sei zwar Steuerflucht schwieriger, und manche internationalen Probleme ließen sich leichter lösen, aber wenn ein solcher Staat scheitern würde, gäbe es kaum eine oppositionelle Kraft, die ihn korrigieren könnte. Die Konzentration zu großer Macht an einem Ort berge immer die Gefahr ihres Missbrauchs, so Appiah. 

    Er führt aus, dass Grenzen außerdem dezentrale Entscheidungen ermöglichten. Ein Vorteil föderalistisch organisierter Staaten sei zum Beispiel, dass politische Experimente möglich seien. Als Beispiel nennt er die Gesundheitsreform in den USA, später als Obamacare bekannt geworden, die zuerst in Massachusetts getestet und daraufhin auf nationaler Ebene übernommen wurde. 

    Gleichzeitig bedeute die Notwendigkeit von Landesgrenzen nicht, dass diese schwer zu überwinden sein müssten oder keine Verantwortung gegenüber den Menschen außerhalb dieser Grenzen bestünde. »Staaten haben das Recht, ihre Grenzen zu kontrollieren. Aber dieses Recht hat ethische Grenzen«, sagt Appiah. 

    Er hofft auf eine Zukunft, in der Grenzen weniger angstbesetzte Orte sind und Menschen sich vor allem aus Neugier über sie hinwegbewegen. Appiah beantwortet die Frage, ob es in Zukunft mehr oder weniger Grenzen geben wird und wie diese aussehen könnten. Er spricht über Migration, Zugehörigkeit, gemeinsames Vergessen und Identität, auch seine eigene – und darüber, warum man seine Identität mit einer gewissen Lockerheit tragen sollte.  

    Redaktion: Sophie Hübner, Tobias Oellig
    Videoproduktion: Nele Vogel, Iona Young
    Visuelle Produktion: Michael Pfister
    Produktion: ifbbw, Pool Artists
    Visual Director: Malin Schulz
    Photo Director: Tina Ahrens
    Design: Adele Ogiermann, Jan Lichte
    Animation: Axel Rudolph
    Musik: Konrad Peschmann
    Logo: Lea Dohle

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    Braucht Deutschland neue Atomkraftwerke, Anke Weidlich?

    05-08-2026 | 1 u. 12 Min.
    Das Land diskutiert über einen Wiedereinstieg in die Kernkraft. Anke Weidlich erklärt, was gegen neue Atomkraftwerke spricht – und was die Alternativen sein könnten.  

    Im Podcast »Nur eine Frage« stellt ZEIT-Chefredakteur Jochen Wegner einfache, aber grundlegende Fragen, auf die eine klare Antwort schwer zu finden ist. Er befragt die bestmögliche Expertin, den bestmöglichen Experten, den wir für das jeweilige Thema finden können – und versucht, eine klare Antwort zu bekommen.  

    Seit April 2023 produziert Deutschland keinen Atomstrom mehr. Doch die Debatte über einen Wiedereintritt ist zurück. Ursula von der Leyen nannte die Abkehr in Europa einen strategischen Fehler. Und mit den Small Modular Reactors (SMR) rückt eine neue Generation von Miniatomkraftwerken in den Fokus. 

    In dieser Folge von »Nur eine Frage« stellen wir Anke Weidlich die Frage: Braucht Deutschland neue Atomkraftwerke?  

    Anke Weidlich ist Professorin für Technologien der Energieverteilung an der Universität Freiburg. Sie forscht zu nachhaltigen Energiesystemen, Strommarktgestaltung, Smart Grids und Flexibilitätsnutzung. In der Lehre behandelt sie Grundlagen zum Betrieb des Stromsystems, Optimierung und Prognosen. Sie gehört der 2011 von der Bundesregierung eingesetzten Expertenkommission zum Energiewende-Monitoring an. Neben ihrer wissenschaftlichen Arbeit engagiert sich Weidlich in nationalen Forschungs- und Beratungsgremien zur Energie- und Klimapolitik, darunter in der Akademieninitiative Energiesysteme der Zukunft (ESYS).   

    Weidlichs Antwort lautet: nein. Im Podcast erklärt sie zunächst die technischen Grundlagen des Stromsystems: Warum die Frequenzhaltung im Netz so wichtig ist, wie rotierende Generatoren den Takt vorgeben, und warum man dafür kein Atomkraftwerk benötigt.  

    Ökonomisch wiegt für Weidlich ein weiterer Punkt: Kernkraftwerksneubauten seien in Europa und den USA sehr teuer und langwierig geworden. Sie erklärt außerdem, dass ein Grundlastkraftwerk, etwa ein Kernkraftwerk, am rentabelsten ist, wenn es möglichst gleichmäßig durchläuft. Das passe wiederum schlecht zu einem System, das auf variablen Erneuerbaren basiere. »Was wir brauchen, ist eine Technologie mit niedrigen Kapitalkosten, selbst wenn sie im Betrieb teuer ist, weil man sie nur in den Stunden benötigt, in denen wenig Erneuerbare vorhanden sind«, sagt Weidlich. Im Gespräch verweist sie auf die rasante Entwicklung der Erneuerbaren, erklärt, welche Rolle Batteriespeicher für eine zuverlässige Energieversorgung spielen und warum in vielen Bereichen die Lösung der Zukunft mit Wasserstoff zu tun habe.  

    Auch die viel diskutierten Small Modular Reactors sieht Weidlich skeptisch: Laut einer Studie wären etwa 3.000 SMRs nötig, um überhaupt Wettbewerblichkeit zu erreichen; kommerzielle Reaktoren gebe es aktuell aber noch nicht. 

    Mit Blick in die Zukunft rät Weidlich: »Fördert keine Technologie weiter, die keine Zukunft hat. Setzt stattdessen auf die, die Ausbaupotenzial haben. Man kann nicht in eine Welt zurück, die man mal hatte.«   

    Moderation: Jochen Wegner
    Redaktion: Jens Lubbadeh, Sophie Hübner
    Videoproduktion: Lucie Liu, Iona Young
    Visuelle Produktion: Michael Pfister
    Kamera, Schnitt & Ton: ifbbw
    Visual Director: Malin Schulz
    Photo Director: Tina Ahrens
    Design: Adele Ogiermann, Jan Lichte
    Animation: Axel Rudolph
    Musik: Konrad Peschmann
    Logo: Lea Dohle
     

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  • Nur eine Frage

    Machen Displays Kinder krank, Julia Brailovskaia?

    22-07-2026 | 57 Min.
    Social Media erst ab 14? Sollte Deutschland dem Beispiel Australiens folgen? Eine Psychologin erklärt, wie Social-Media-Sucht entsteht und was Eltern tun können. 

     

    Im ZEIT-Podcast »Nur eine Frage« stellt ZEIT-Chefredakteur Jochen Wegner einfache, aber grundlegende Fragen, die viele von uns umtreiben, auf die eine klare Antwort jedoch oft schwer zu finden ist. Wir befragen die bestmögliche Expertin, den bestmöglichen Experten, den wir für das jeweilige Thema finden können.  

     

    Jedes fünfte Kleinkind in Deutschland besitzt ein Tablet, 60 Prozent der Elfjährigen haben ein Smartphone, Jugendliche verbringen im Schnitt dreieinhalb Stunden täglich in den sozialen Medien. Die Weltgesundheitsorganisation vermutet bei jedem zehnten deutschen Jugendlichen ein suchtartiges Verhalten. Eine Frage, die fast jede Familie umtreibt. 

     

    In dieser Ausgabe von »Nur eine Frage« wollen wir wissen: Machen Displays Kinder krank? Unser Gast dieses Mal ist die Psychologin Julia Brailovskaia. Sie ist Professorin am Forschungs- und Behandlungszentrum für psychische Gesundheit der Ruhr-Universität Bochum und eine der führenden deutschen Stimmen zum Thema. Im letzten Jahr hat sie als Erstautorin die maßgebliche Stellungnahme der Leopoldina, der Nationalen Akademie der Wissenschaften, mitverfasst. Sie gehört zu den wenigen Forscherinnen, die kontrollierte Interventionsstudien durchführen – also versuchen, Ursache und Wirkung wirklich auseinanderzuhalten. 

     

    Für Brailovskaia ist die Antwort auf die Frage eher ein Ja als ein Nein. Denn absolute Gewissheit ist bei diesem Thema schwierig bis unmöglich zu erlangen, erklärt die Forscherin im N1F-Gespräch. Das Problem: Um wirklich eindeutig sagen zu können, dass Smartphones krank machen, müsste man zwei Versuchsgruppen über einen langen Zeitraum hinweg unter Laborbedingungen miteinander vergleichen. Die eine Gruppe würde Smartphones und soziale Medien nutzen, die andere nicht. Nur solch ein Experiment könnte die von vielen vermutete negative Wirkung der sozialen Medien auf die psychische Gesundheit einwandfrei belegen. Solch ein Experiment wäre aber ethisch nicht verantwortbar, schon gar nicht bei Kindern und Jugendlichen. Die Forscherin mahnt dennoch, trotz der Beweislücke, aktiv zu werden: »Es muss das Vorsorgeprinzip gelten. Auch wenn nicht genug Evidenz da ist, es aber Hinweise gibt, dann müssen wir handeln.« 

      

    Denn es gibt alarmierende Hinweise. Die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen hat sich weltweit verschlechtert, wie Daten der OECD zeigen – und das schon vor der Covidpandemie. Der Sozialpsychologe Jonathan Haidt vermutet, dass diese Entwicklung nicht zufällig zeitlich mit dem Aufkommen der Smartphones zusammenfällt. Brailovskaia hat in vielen Studien untersucht, wie sich ein vorübergehender Verzicht oder auch nur eine Verminderung der Bildschirmzeit auf die Psyche auswirkt: »Sobald wir die Social-Media-Zeit etwa um 20 oder 30 Minuten pro Tag für zwei Wochen reduzieren, steigen die Werte der psychischen Gesundheit. Also: Depressivität reduziert sich, die Lebenszufriedenheit verbessert sich. Das sind die Studien, die uns wirklich kausale Aussagen ermöglichen.« 

     

    Es sei aber gar nicht so sehr die reine Bildschirmzeit, sondern vielmehr die emotionale Bindung an das Gerät, insbesondere an die sozialen Medien, die problematisch ist. »Wenn ich fünf Stunden irgendwohin fahre und das Navi läuft, habe ich es lange genutzt. Aber es macht mich nicht süchtig und schadet meiner psychischen Gesundheit nicht. Wenn ich diese fünf Stunden aber in den sozialen Medien war, weil sie für mich eine emotionale Bedeutung haben, hat das ganz andere Auswirkungen.« Die Forscherin plädiert daher für ein Verbot von sozialen Medien für Jugendliche unter 14 Jahren.  

     

    Moderation: Jochen Wegner
    Redaktion: Jens Lubbadeh, Sophie Hübner
    Videoproduktion: Nele Vogel, Iona Young
    Visuelle Produktion: Michael Pfister
    Kamera, Schnitt & Ton: ifbbw
    Visual Director: Malin Schulz
    Photo Director: Tina Ahrens
    Design: Adele Ogiermann, Jan Lichte
    Animation: Axel Rudolph
    Musik: Konrad Peschmann
    Logo: Lea Dohle

     

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    Fragen, Kritik, Anregungen? Schreiben Sie eine Mail an n1f@zeit.de.
  • Nur eine Frage

    Haben wir einen freien Willen, John-Dylan Haynes?

    08-07-2026 | 1 u. 13 Min.
    Der Neurowissenschaftler kann Entscheidungen Sekunden im Voraus vorhersagen. Warum John-Dylan Haynes trotzdem an den freien Willen glaubt. 

    Im Podcast »Nur eine Frage« stellt ZEIT-Chefredakteur Jochen Wegner einfache, aber grundlegende Fragen, auf die eine klare Antwort schwer zu finden ist. Er befragt die bestmögliche Expertin, den bestmöglichen Experten, den wir für das jeweilige Thema finden können – und versucht, eine klare Antwort zu bekommen. 

    Kaffee oder Tee? Kündigen oder bleiben? Zug oder Flugzeug? Unser Alltag wäre kaum auszuhalten ohne die Vorstellung, dass wir der Urheber unseres Handelns sind. Dass man auch anders hätte entscheiden können. Aber ist das wirklich so? Sind wirklich wir die, die die Entscheidungen treffen? Oder zieht jemand oder etwas in unserem Hirn in Wahrheit die Strippen, ohne dass wir es bemerken? 

    Die Frage nach dem freien Willen hat schon antike Philosophen beschäftigt. Aber so richtig Fahrt aufgenommen hat sie erst nach den berühmten Experimenten des US-amerikanischen Neurowissenschaftlers Benjamin Libet Anfang der 1980er-Jahre. Libet zeigte: Bereits Sekunden vor einer bewussten Entscheidung treten Signale im Gehirn auf, die der bewussten Entscheidung vorausgehen. Diese Erkenntnis versetzte Hirnforscher in Aufruhr. Sie begannen sich zu fragen, ob der freie Wille womöglich nur eine Illusion sei. 

    In der aktuellen Ausgabe von »Nur eine Frage« wollen wir daher von John-Dylan Haynes wissen: Haben wir einen freien Willen? 

    John-Dylan Haynes ist Psychologe, Neurowissenschaftler und Professor an der Charité in Berlin. Mit seinen Experimenten im Kernspintomografen hat er weltweit für Aufsehen gesorgt: Er konnte zeigen, dass Entscheidungen im Gehirn vorbereitet werden, bevor wir sie bewusst treffen – mitunter bis zu zehn Sekunden vorher. Seine Studie »Unconscious Determinants of Free Decisions in the Human Brain«, veröffentlicht in Nature Neuroscience, hat die Debatte über den freien Willen weiter angeheizt und auf eine neue Stufe gehoben.  

    Im Gespräch sagt Haynes, dass sehr unterschiedliche Auffassungen darüber existieren, was freier Wille eigentlich meint. Einigt man sich auf die Frage, ob man eigene Entscheidungen treffen kann, müsse man sich klarmachen: Nichts geht ohne das Gehirn. Haynes: »Im Gehirn wirken die biologischen Prozesse nach den Naturgesetzen, und wir können uns mit unseren Entscheidungen nicht darüber hinwegsetzen.« 

    Doch ist es nicht erschütternd, dass Entscheidungen erst in unser Bewusstsein dringen, wenn sie in Wahrheit schon mindestens zehn Sekunden im Voraus angebahnt werden? Haynes findet: nicht wirklich. »Hirnvorgänge laufen ab wie eine Kaskade von Dominosteinen – irgendwo zwischendrin entscheide ich mich, und davor ist im Kausalgeschehen des Gehirns etwas passiert.« 

    Haynes hat im Laufe seiner Forschung die berühmten Libet-Experimente, auf denen die Diskussion um den freien Willen basierte, im Kern entkräftet. Denn er konnte zeigen: Selbst wenn man mithilfe von Hirnmessungen Entscheidungen Sekunden im Voraus mit immerhin 70-prozentiger Genauigkeit voraussagen kann, bedeutet das nicht, dass alles bereits festgelegt ist: Menschen können Entscheidungen – auch das zeigen Haynes’ Experimente – abbrechen und sich umentscheiden. Daher sieht Haynes die Sache differenzierter als viele seiner Kollegen – und besteht darauf, dass Vorhersage nicht dasselbe ist wie Vorherbestimmung. 

    Moderation: Jochen Wegner
    Redaktion: Jens Lubbadeh
    Visuelle Produktion: Michael Pfister
    Schnitt & Ton: ifbbw
    Visual Director: Malin Schulz
    Photo Director: Tina Ahrens
    Design: Adele Ogiermann, Jan Lichte
    Animation: Axel Rudolph
    Musik: Konrad Peschmann
    Logo: Lea Dohle

    Fragen, Kritik, Anregungen? Schreiben Sie eine Mail an n1f@zeit.de. Alle »N1F«-Folgen finden Sie unter www.zeit.de/n1f. Dort können Sie auch den »N1F«-Newsletter abonnieren.
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„Können Maschinen denken?“, „Ist Demokratie die beste Staatsform?“, „Ist Armut erblich?“. Oder: „Existiere ich wirklich?“ Das sind einfache, aber grundlegende Fragen, die viele von uns umtreiben, und auf die eine klare Antwort oft schwer zu finden ist. In dem Podcast „Nur eine Frage“ stellen wir diese vermeintlich simplen „Kinderfragen“ – der bestmöglichen Expertin, dem bestmöglichen Experten, den wir für das jeweilige Thema finden konnten. Wir haken so lange nach, bis wir eine definitive Antwort bekommen, am besten in Form eines klaren „Ja“ oder „Nein“.
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